Aufklärerische Lyrik – Buchtipp von Hartmut Drewes

Rudolph Bauer / Thomas Metscher: Aus gegebenem Anlass, Gedichte und Essay

Rudolph Bauer schreibt „agitatorisch-programmatisch oder kritisch satirisch“. So formuliert es der Literaturwissenschaftler Thomas Metscher zu Beginn seines Essays zur Würdigung von Bauers Gedichten im neuen Band „Aus gegebenem Anlass“. Diese Lyrik sei, so Metscher, „auf Aktualität verpflichtet, hat also auch einen dokumentarischen Wert – was die Leistung, doch auch die Grenze solcher Literatur markiert“. Der Autor will mit seinen Gedichten anklagen, aufrütteln, entlarven. Er deckt die mit Worten und in Reden oft verschleierte kapital-, imperial- und militärisch-kriegerisch orientierte Politik auf. Er macht das oft in „ätzender“ Weise. Ähnlich wie die Säure bei der Herstellung einer Radierung, so geht er der uns umgebenden, geheuchelten oder verklärenden Politik auf den Grund. Seine Lyrik legt offen, worum es in Wirklichkeit geht. Sie ist aufklärerisch.

In seinen Texten lässt Rudolph Bauer auch andere zu Wort kommen, kursiv kenntlich gemacht im negativen wie positiven Sinn. So beispielsweise in dem Gedicht „Rede des Generals“. Das Gedicht zitiert Worte von Lettow-Vorbeck, die er bei der Einweihung des Reichskolonialdenkmals in Bremen 1932 gehalten hat. Bei Bauer heißt es unter anderem:

„ein großes volk
sagte er
muss kolonien haben
um leben zu können …

nicht nur um kultur
sagte er
zu verbreiten
nicht eine wertmission
ist die haupstache …

ohne kolonien
sagte er
muss ein blühendes
volk ersticken …“

Diese Redenpassagen legen nicht nur bloß, wie eiskalt die Kolonialpolitik gehandelt hat, sondern sie versetzen durch das Wort „wertmission“ den Leser und Hörer in unsere Gegenwart, in der mit dem Hinweis auf „westliche Werte“ Kriegseinsätze, z.B. in Afghanistan und Mali, gerechtfertigt werden. Genauso aufdeckend sind auch Haikus wie der folgende mit dem Titel „Franziskus“: „der papst nennt lager / für syrische flüchtende / auf lesbos k.z.“ Oder auch der Haiku „Wirtschaftspolitik“: „es rollt der rubel / der höchst sauer verdiente / immer nach oben“. In einem der „Frontberichte“-Haikus heißt es: „befehle zum krieg / dienen dem einen zweck nur / märkte erobern“.

Auch durch Wortspiele dringt Bauer vor zum Kern der Sache, so im Gedicht „Verfassungsschuttslam“. Durch das Aneinanderreihen von Worten wie „verfassungsschutz“, „verfassungsschutt“, „fassungslos“, „verfassungsmülllos“, „atommüllschutzlosverfassung“ wird deutlich, wie unzureichend die Verfassung, wie entbehrlich der Verfassungsschutz, wie gefährlich schutzlos der Atommüll gelagert wird. Ähnlich auch das Gedicht „Vom Schützenschützen der Verfassung“.

Eines der Gedichte ist eine Hommage auf Jannis Ritsos, den hierzulande weithin unbekannt gebliebenen griechischen Dichter. Er hat ein Leben lang unter den Torturen der Herrschenden leiden müssen, hat aber nie aufgegeben. Das Gedicht endet mit den Versen: „der tod bedeutet ihm / weniger als freiheit // erst kommt die freiheit / schrieb er / dann der tod.“

Die Verlogenheit der politischen Öffentlichkeit macht Rudolph Bauers Gedicht „Weihnachtskampagne“ deutlich. Er nimmt sarkastisch die 2007 gestartete „Social-Marketing-Kampagne“ von 25 Medienunternehmen aufs Korn, die mit „Du bist Deutschland“ auf ein positives Denken, verbunden mit einem neuen deutschen Nationalgefühl, abzielte. Der „Du bist …“-Spruch greift dabei bedenkenlos auf eine frühere, auf Hitler gemünzte Nazi-Parole zurück.

Das kurze Gedicht „Die Lerche“ schildert sehr lyrisch die Sehnsucht nach friedlich-schönem Leben, das leider in Gänze nicht zu haben ist und deswegen mit den Worten endet: „wir schlürfen verzweifelt gierig das leben“.

Über das „ätzende“ Aufdecken hinaus bringt solche Lyrik aber noch etwas anderes, das nicht zu unterschätzen ist: die Stärkung der wenigen, die im Kampf für Frieden und Gerechtigkeit nicht nachlassen. Bauers Lyrik führt die zum Teil sehr vereinzelt für die gerechte Sache Denkenden und Handelnden zusammen, bekräftigt ihre solidarische Gemeinschaft, gibt ihnen das Bewusstsein und Gefühl, dass sie nicht allein sind. Das gibt ihnen Ansporn und Ermutigung.

Rudolph Bauers Gedichtband steht in der Tradition von Schriftstellern, die –  wie Ingeborg Bachmann, Erich Fried, Ernst Jandl, Volker Braun, Günter Grass, Hilde Domin, Dorothee Sölle, Thomas Bernhard, Wolfdietrich Schnurre und Friedrich Dürrenmatt – mit Blick auf die politischen Verhältnisse in den 1960er Jahren sehr sensibel reagierten. Von solcher Sensibilität zeugen auch die Zitate Klaus Manns, die Bauer über die meisten Kapitel seines Gedichtbandes gesetzt hat – etwa: „Ein Schriftsteller, der politische Gegenstände in sein künstlerisches Schaffen einbeziehen will, muss an der Politik gelitten haben, ebenso tief und bitter, wie er an der Liebe gelitten haben muss, um über sie zu schreiben. Dies ist der Preis, billiger kommt er nicht weg“.

Das Leiden an der Politik und ihr Einbeziehen in sein literarisches Schaffen ist der wesentliche Beweggrund für die Entstehung von Rudolph Bauers Gedichtesammlung. Sie verdient es, nicht zuletzt auch von politisch interessierten Zeitgenossinnen und -genossen gelesen und in der Öffentlichkeit vorgetragen zu werden.

Hartmut Drewes

NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung, 21. November 2018

Siehe auch:

Aus der Bucherscheinung „Aus gegebenem Anlass“
18 Haikus gegen Retrofaschisten
Von Rudolph Bauer
NRhZ 682 vom 14.11.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25385

Aus gegebenem Anlass

Gedichte und Essay

Rudolph Bauer, Thomas Metscher
Lyrik & Poesie

Hier erhältlich! Als Hardcover, Paperback und E-Book.

Seit dem Ende der Aufklärung hatte die kulturelle Elite in Deutschland lange ein äußerst problematisches Verhältnis zum Politischen. Das zeigte sich nicht zuletzt in der abschätzigen Einstellung zu politischer Kunst. Dennoch gibt es im deutschen Sprachraum die Tradition engagierter Literatur, auch politischer Lyrik. Sie geht zurück auf das hohe Mittelalter, die Reformationszeit sowie auf die Arbeiter- und die Friedensbewegung. Für die Bundesrepublik lassen sich Erich Fried und Franz Josef Degenhardt nennen, für die DDR Franz Fühmann, Peter Hacks, Heiner Müller und Volker Braun.

Rudolph Bauers Gedichtband ist vielfach mit dieser Tradition verbunden. Bereits der Titel Aus gegebenem Anlass gibt die operative Programmatik vor. Formal und inhaltlich schließen die Gedichte an klassische Vorbilder der situationsgebundenen Dichtung an: in ihrer Prägnanz und dem packenden Zugriff des Verfahrens, der Einfachheit und Konkretion von Stil und Strophenform. „Es ist eine Einfachheit, die die Komplexität einschließt“, bemerkt Literaturwissenschaftler Thomas Metscher in einem erklärenden Essay am Schluss des Gedichtbandes.

Bauers Poesie verbindet Gegenwärtiges und Vergangenes. Treffend verweist Metscher darauf, wie ungebrochen die in den Texten zum Ausdruck gebrachte Macht der Tradition hineinwirkt in unsere Gegenwart. Dieser Gesichtspunkt berühre das Herzstück der Texte: „Immer wieder und immer neu geht es um die Gegenwart des Vergangenen: die Kontinuität von Militarismus, imperialer Gewaltpolitik und die Rolle der Ideologien in ihnen; von Kolonialismus, Faschismus, ihrer Restauration in der Bundesrepublik Deutschland.“

Es geht nicht mehr nur um das Hier und Jetzt der deutschen Gegenwart als Wiederkehr von Vergangenem. Die lyrische Bedeutung der Gedichte erschließt grenzüberschreitend Bilder und Gedanken sowohl aus dem Erfahrungsarchiv anderer Kulturen als auch des Zukünftigen. Indem die utopische Dimension aufscheint, überwindet politische Dichtung das Hier und Jetzt.

 

Lesung mit Gedichten aus den Jahren 1918 ff.

„Es lebe der Frieden!“ – Novemberrevolution und Rätebewegung 1918

am 4. November 2018 (Sonntag) um 17:00 Uhr; Ort: Villa Ichon, Goetheplatz, Raum 5 (Ausstellungsräume der Bilder „Das Karma der Wände“ von Ulrich Schwecke)

Am 4. November vor einhundert Jahren erhoben sich die Kieler Matrosen und forderten den Frieden. Das Datum markiert den Anfang der Novemberrevolution 1918. Soldaten-, Arbeiter- und Bauernräte standen am Beginn der demokratischen Entwicklung in Deutschland. Sie erreichten das Ende des Krieges, die Abschaffung der Monarchie, den 8-Stunden-Tag und die Einführung sowohl der Rede- und Pressefreiheit als auch des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen.

Zur Erinnerung an die Rätebewegung sowie zur Feier des Friedens und der demokratischen Errungenschaften der Novemberrevolution findet am Sonntag, den 4. November, um 17 Uhr in der Villa Ichon eine Lesung statt. Es werden Texte aus der Zeit der Rätebewegung vorgetragen: Erinnerungen an die Grausamkeiten des Weltkrieges, Beispiele für die politischen Hoffnungen und sozialen Erwartungen der Arbeiter und Soldaten, aber auch Rückblicke auf die Gründe für die Niederlage der revolutionären Bewegung und für das an ihren Verteidigern verübte Massaker, welches auch in Bremen seine Blutspuren hinterlassen hat.

Gelesen werden Texte von Revolutionären wie Kurt Eisner, Erich Mühsam, Ernst Toller und Karl Liebknecht. Die tödliche Fratze des Krieges zeigt sich in Gedichten und Kurzprosa von Arno Holz, Kurt Schwitters, Otto Nebel, Karl Kraus und Carl Einstein. Aus der Rückschau äußern sich Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Alfred Döblin. Die Werke all der genannten Schriftsteller wurden nur 15 Jahre später nach der Novemberrevolution, am 10. Mai 1933, von den Nazis verbrannt. Auch daran soll die Lesung angesichts erneuter faschistischer Verbrechen sowie der ihnen dienstbaren Ideologien und Institutionen erinnern und einen Beitrag zum Widerstand dagegen leisten.

Zum Besuch der Lesung, die auf Initiative des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller stattfindet und in Kooperation mit dem Bremischen Literaturkontor ermöglicht wird, laden die sieben Mitglieder des Lesekollektivs, ferner das Bremer Friedensforum und das Literarische Quartier (LitQ) ein.

Der Eintritt ist frei.

Kunst now!

Bremer KünstlerInnen präsentieren ihre Werke

18. Mai bis 14 Juli 2018
Freitags 15–19 Uhr und Samstags 12–18 Uhr

Vernissage am Samstag, den 12. Mai 2018 um 18 Uhr

Mit Werken von Conny Himme, A. V. Müller, Neeharika Hossain, Rudolph Bauer und Onil Hossain

ARTsixty! Art of Life Galerie
Martinistraße 60
28195 Bremen
www.artsixty.de

Wie Luzifer aus dem Himmel

Segerers Aphorismen

„Wie Luzifer aus dem Himmel“ heißt der Titel einer Aphorismen-Sammlung aus dem Büro Wilhelm Verlag in Amberg. Verfasser ist Alois Segerer (1938-2015), der ehemalige Rathausreporter der Münchner Abendzeitung. Ausgewählt, zusammengestellt, mit Überschriften und einem Vorwort versehen hat den Aphorismen-Band Rudolph Bauer, Segerers Freund aus der gemeinsamen Amberger Schulzeit am Humanistischen (heute Erasmus-)Gymnasium.

Quelle der bibliophil gestalteten Aphorismen-Sammlung sind fünf Notizbücher aus dem Nachlass von Alois Segerer. In diesen Quartheften hat „Sesch“, beginnend in den 1960er-Jahren, mit spitzer, aber leichter Feder vielfältige Gedanken, Wortspiele, Spontaneinfälle und Fundstücke aufgespießt und festgehalten. Dabei geht es dem Aphoristiker nicht allein um Politisches und Öffentliches, sondern um nahezu sämtliche Facetten des Lebens, der Gesellschaft und des Kosmos – um Gott und die Welt. Seine Gedankensplitter zeigen den Autor in scharfsinniger Selbstbeobachtung als Kind und Jugendlichen, als Liebenden und Verliebten, als Dichter und Leser, im Alter und angesichts der Sterblichkeit.

Ermöglicht wurde die Herausgabe von „Segerers Aphorismen“ – so der Untertitel des Bandes – durch die Subskriptionsbereitschaft von Freunden, Gönnern und Kollegen aus Amberg, München, Bremen und vielen anderen Orten, wo Menschen mit Bezug zum Autor und zum Herausgeber leben und es zu schätzen wissen, was Aphorismen ausmacht: brillante Geistesblitze und ironische Topoi, akrobatische Wortjonglage und melancholische Redensarten, lockere Sprüche und bittere Wahrheiten, fein Gesponnenes und spöttische Sarkasmen. Ein Buch, in dem lesend zu blättern ein Vergnügen mit Abstürzen bereitet.

Wie Luzifer aus dem Himmel. Segerers Aphorismen. Ausgewählt, zusammengestellt, mit Überschriften und einem Vorwort versehen von Rudolph Bauer (Hrsg.). Foto: Uli Wähner. Amberg: Büro Wilhelm Verlag 2017. 56 Seiten, 9,90 Euro. ISBN 978-3-943242-82-9

Für Frieden – gegen jeden Krieg!

Friedenskundgebung, Samstag, 15. April 2017 in Delmenhorst

Täglich werden wir konfrontiert mit Bildern von Kriegen in aller Welt. Inzwischen sind auch die Staaten Europas von diesen Kriegen unmittelbar oder mittelbar berührt, sei es durch die Beteiligung eigener Truppen, die Lieferung von Kriegsgerät oder die Aufnahme von Geflüchteten. Deutschland ist durch Militäreinsätze in 15 Staaten sowie durch die Rekord-Rüstungsexporte maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt.

Zahlreiche Delmenhorster Organisationen haben sich erneut zusammengeschlossen um ein Zeichen zu setzten für Frieden und gegen jeden Krieg!

Am Ostersamstag, 15. April 2017, 11 Uhr findet daher eine Friedenskundgebung auf dem ZOB am Bahnhof Delmenhorst statt.

Wirtschaftliche, sowie inner- und zwischenstaatliche Konflikte müssen gewaltfrei und diplomatisch gelöst werden. Wir brauchen eine Politik die Koexistenz und nicht Krieg fördert.

Seit sechs Jahren dauert das Kriegsgeschehen in Syrien an. Davon betroffen sind neben den Kriegsschauplätzen auch die Nachbarstaaten, darunter im erheblichen Umfang die Türkei. Die Kundgebung soll aber nicht nur das Kriegsgeschehen und die kaum vorhandenen Friedensbemühungen in Syrien thematisieren, sondern ein Zeichen setzen gegen kriegerische Auseinandersetzungen weltweit.

Wir rufen alle am Frieden interessierten Delmenhorster Einwohnerinnen und Einwohner dazu auf, den Samstagvormittag dafür zu nutzen, öffentlich die eigene Friedensbereitschaft zu dokumentieren.

Redebeiträge:

DIDF Delmenhorst
(Türkischer Arbeiterverein)

Prof. Dr. Rudolph Bauer
(Bremer Friedensforum)

Dialogos e.V.
(Griechisch-Deutscher Kulturverein)

Mitveranstalter:

DIDF, DIDF-Jugend, SV Bar, DGB Stadtverband Delmenhorst,
Breites Bündnis gegen Rechts, Dialogos e.V., DIE LINKE. Delmenhorst,
Linksjugend [´solid], SPD Delmenhorst, Jusos, DKP Delmenhorst

Commedia Divina: Inferno, Purgatorio, Paradiso

Ausstellung vom 16. Februar bis 1. April 2017
in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, 28203 Bremen

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11-13 Uhr, Mo bis Fr 16-20 Uhr

Die drei Ausstellungsräume der Villa Ichon am Goetheplatz zeigen vom 16. Februar bis 1. April eine Installation zu Texten der Göttlichen Komödie des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri. Dante wurde 1265 in Florenz geboren. In seiner Geburtsstadt bekleidete er hohe politische Ämter. Als politisch Verfolgter musste er 1301 seine Geburtsstadt verlassen. 1307 – vor genau 710 Jahren, woran die Ausstellung erinnert – begann er mit der Niederschrift der 1320 vollendeten „Divina Commedia“. 1321 ist der Exil-Politiker und Schriftsteller in Ravenna gestorben.

Der von Dante gewählte Titel „Commedia“ deutet – anders als heute Komödie oder Comedy – auf den glücklichen Ausgang der literarischen Jenseitswanderung hin, die er in Begleitung des römischen Dichters Vergil unternommen hat. Der Gang führte ihn vom „Inferno“ in das „Purgatorio“ und von dort in das „Paradiso“: von der Hölle über den Läuterungsberg in den Himmel. Das lobende Beiwort „göttlich“ bekam die „Commedia“ erst später durch den italienischen Schriftsteller Giovanni Boccaccio (1313-1375), der damit würdigte, dass Dantes bedeutendstes Werk der Dichtkunst nicht, wie es damals üblich war, auf Latein verfasst war, sondern in der italienischen Volkssprache, also auch der gesamten Bevölkerung zugänglich.

Die Göttliche Komödie ist nicht nur ein großartiges und viel bewundertes Werk der italienischen, europäischen und Weltliteratur. Sie stellte ursprünglich eine Art poetische Abrechnung des im Exil lebenden Dante mit seinen geistlichen und politischen Gegnern dar, mit der Kirche und den weltlichen Herrschern. Dieser Aspekt der „Commedia“ ist eine der Brücken zwischen Dantes Werk und der Gegenwart, auf die es dem ausstellenden Künstler in besonderer Weise ankommt. In den „Inferno“- und „Purgatorio“-Räumen der Villa Ichon stellt Rudolph Bauer eine Vielzahl von Bildmontagen aus, die in kritischer Absicht auf einzelne Persönlichkeiten der Politik und auf besondere politische Ereignisse im 20. und begonnenen 21. Jahrhundert Bezug nehmen. Im dritten Raum werden Arbeiten auf Papier gezeigt, die im Gegensatz zu den Exponaten in den vorausgehenden Räumen in buntfarbig schwebender Weise eine spirituelle Dimension sichtbar machen, wie sie von Dante im Paradies-Teil seiner „Commedia“ besungen wird.

Den Bildern sind als Titel Textstellen aus unterschiedlichen Übersetzungen der „Commedia“ ins Deutsche beigegeben, ausgewählt durch den ausstellenden Künstler. Zu den Übertragungen aus dem Italienischen gehören neben wortgetreuen Prosatexten literarische Nachdichtungen von Stefan George (1868-1933) und Otto Gildemeister (1823-1902), des Bremer Schriftstellers, Senators und Bürgermeisters.

Ein besonderes Merkmal der Kunstausstellung, die am 16. Februar um 19:30 Uhr eröffnet wird, sind ihre vielfältigen Bezüge, die sich auf der Grundlage des visuellen Materials und Texte herstellen lassen: der Zusammenhang zwischen der Zeit Dantes und heute, zwischen Himmel und Hölle, Schrecken und Glück, Diesseits und Jenseits, Macht und Exil, Politik und Literatur, der Schriftstellerei und der bildenden Kunst, Italien und Deutschland, den Übersetzern und Autoren der europäischen, der deutschen und der bremischen Literaturgeschichte.

Finissage „Rüste-Wüste“

Finissage der Kunstausstellung „Rüste-Wüste“ und literarisch-musikalische Soirée
am Samstag, 28. Januar 2017, 18 Uhr,
in der Peace Gallery des Anti-Kriegs-Museums,
13353 Berlin-Wedding, Brüsseler Str. 21, Telefon 030 45490110

Es wirken mit:

Rudolph Bauer (Bremen) liest „Flugschriftgedichte“,
begleitet von Bernhard Meier (Berlin) auf der Soloposaune

Begrüßung: Tommy Spree, Anti-Kriegs-Museum

Eintritt frei

ANTI-KRIEGS-MUSEUM, 13353 Berlin, Brüsseler Straße 21 –
unterstützt von der Internationale der Kriegsdienstgegner/innen e. V.

www.anti-kriegs-museum.de
www.bremerfriedensforum.de

„Rüste-Wüste“

… heißt eine Publikation des Bremer Friedensforums mit militarismuskritischen Bild-Montagen des Sozialwissenschaftlers Rudolph Bauer (Bremen), der auch als bildender Künstler tätig ist. Der Titel nimmt Bezug auf den expressionistischen Maler und Dichter Otto Nebel, der den Ersten Weltkrieg an den deutschen Fronten im Osten und Westen überlebt hatte und 1926 die Schrift „Rüste-Wüste“ veröffentlichte. Die Bild-Bild-Bezüge in Bauers Montagen basieren auf Materialien, die den Alltag visuell bestimmen: vor allem auf Fotos, Grafiken, Werbung und anderen Druckerzeugnissen, wie sie in Zeitungen, Zeitschriften, Bildbänden, Prospekten, Katalogen, Plakaten oder im Internet veröffentlicht werden. Bauer will mit seinen Antikriegscollagen auf kritische, satirische oder karikaturistische Weise Stellung beziehen, intervenieren, provozieren, Gewohnheiten in Zweifel ziehen und Veränderungen anmahnen.

Rudolph Bauers Bild-Montagen, die sich nicht immer leicht erschließen lassen, werden begleitet von erläuternden Texten, die der Pastor i. R. Hartmut Drewes beigesteuert hat, der seit Jahrzehnten aktiv in der Friedensbewegung ist. Auf seiner Sinn- und Hintersinn-Suche verortet er die Montagen in der frühen Tradition künstlerischer Arbeiten gegen Militarismus und Krieg, etwa von Käthe Kollwitz oder Otto Dix – um dann die Eigenheiten und Auffälligkeiten der Werke Bauers herauszuarbeiten. Auffällig sei, so Drewes, dass Rudolph Bauer darauf verzichte, „die Grausamkeit des Krieges in den Mittelpunkt zu rücken“. Letztlich gehe es ihm darum, „Relativierung, Verschleierung und Verdrängung des Militarismus und der Militarisierung offenzulegen“, wie sie ins „schöne Leben“, ins Kommerzielle, ja in alle Lebensbereiche mehr oder weniger unauffällig und unbemerkt eindringen; wohl deshalb werden recht häufig Modeaccessoires mit Militärsymbolen, Modells mit Soldaten und Kriegsgerät kombiniert – Verknüpfungen, die Bauer unter „Mode und Mord“ verbucht. Tatsächlich ist Rudolph Bauer bestrebt, mit seinen Bild-Montagen die Ästhetisierung, Verharmlosung und Veralltäglichung des Militärischen zu entlarven. Es ist der Versuch, auf künstlerische Weise – dialektisch- überraschend, verfremdend, subtil oder plakativ – den Prozess der Militarisierung und die Schrecken des Krieges in das „visuell zugemüllte“ Bewusstsein zu heben, um auf diese Weise womöglich Denk- und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen.
Rolf Gössner (Ossietzky – Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft, Nr. 14/2016)

Rudolph Bauer / Hartmut Drewes: „Rüste- Wüste“. Militarismuskritische Bild-Montagen, Rote Reihe_4 des Bremer Friedensforums, 52 Seiten DIN-A-4- Format, Spende erwünscht auf das Konto Ekkehard Lentz (Kennwort: Bremer Friedensforum), IBAN: DE 47 2501 0030 0123 2683 06, BIC: PBNKDEFF. Bestellung per E-Mail unter: info@ bremerfriedensforum.de. Eine Ausstellung von Bauers Montagen wird ab Mitte Oktober im Anti-Kriegs-Museum Berlin gezeigt, Brüsseler Straße 21, 13353 Berlin (anti-kriegs-museum.de).

 

Presse

https://www.jungewelt.de/2016/11-17/046.php

http://www.unsere-zeit.de/de/4847/kultur/4120/%E2%80%9ER%C3%BCste-W%C3%BCste%E2%80%9C.htm

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23360

 

Ausgewählte Bild-Montagen/Collagen

Atlanten – Wo ist Elysium, die Insel der Seligen?

Ausstellung bis 17.02.2017
Künstlergespräch am 16.01. um 11 Uhr und um 17 Uhr

Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland
Alfred-Faust-Str. 4, 28279 Bremen

Das Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO) beherbert bis zum 17. Februar 2017 die Ausstellung „Atlanten“ von Rudolph Bauer. Gezeigt werden Bild-Montagen, die auf dem Untergrund von Atlanten entstanden sind.

Bei den Atlanten handelt es sich um ausgemusterte Landkarten, die im Schulunterricht für Erdkunde und Geschichte verwendet wurden. Durch die gestalterische Veränderung mit Collagen, aufgeklebten Ausschnitten von Zeitungen und Journalen, erhalten die Ausstellungsobjekte neue Bedeutungen: Anspielungen auf Historisches und Gegenwärtiges, Bezüge zu Politik, Gesellschaft und Kunst, Bilder von Schrecken und Krieg, von Flucht und Hoffnung.

Die Titel der ausgestellten Atlanten stellen unerwartete Fragen. Beispielsweise: „Wo ist Elysium, die Insel der Seligen?“- „Wo gehen wir ein ins verlorene Paradies?“ – Wo liegt Atlantis, die versunkene Stadt?“ – „Wo führt uns der Weg heim nach Utopia?“.

Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. lebten die Bewohner in Obervieland zum Großteil von der Landwirtschaft. Zum Teil waren sie auch als Steinsetzer und Straßenbauer tätig oder treidelten die auf der Weser fahrenden Handelsschiffe. Daher haben in diesem Stadtteil auch heute noch Landschaften, Flüsse, Straßen und Wege eine besondere Bedeutung.

Die geschichtlichen Besonderheiten des Lebens der Menschen im Umfeld der Ortsteile Habenhausen und Arsten sind für den Bremer Künstler Rudolph Bauer einer der Anknüpfungspunkte seiner Atlanten-Collagen. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist seine Montagen-Ausstellung, die vor genau einem Jahr ebenfalls im BGO gezeigt wurde. Unter dem Titel „Flucht“ thematisierten die damals gezeigten Bild-Montagen das Schicksal der Migranten aus jenen Ländern, die in der jetzigen Ausstellung auf den überklebten Atlanten zum Großteil kaum noch erkennbar sind: verlassenes Land, verlassene Kulturen, zurück gelassene Hoffnungen.

„koana deaf woana“

Ausstellung und musikalisch-literarischer Abend
zur Erinnerung an Alois Segerer (*9.9.1939 +11.11.2015)
Preisträger des Herwig-Weber-Preises München

Freitag, 9. Dezember 2016, 20 Uhr
im Kunstkombinat (Kunstverein Amberg e.V.)
Neustift 47, 92224 Amberg

Hanne Geng und Wolfgang Gerner
zeigen künstlerische Arbeiten zu Texten von A.S.

Rudolph Bauer
liest Gedichte und Aphorismen von A.S.

Eckard Henscheid, Fips Neutsch u.a.
erzählen Anekdoten aus dem Leben des A.S.

Eberhard Drewniok, Uli Wähner und Freunde
gestalten den musikalischen Rahmen

Ausstellung geöffnet auch am 10.12 und 11.12 jeweils 15–18 Uhr